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01.08.2016

Modernisierung und energetische Sanierung von Wohnungseigentumsanlagen

Etwa jede fünfte Wohnung in Deutschland ist eine Eigentumswohnung, in Baden-Württemberg sogar jede dritte. Fast die Hälfte der rund 1,8 Millionen Wohngebäude im Besitz von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) wurde vor 1970 gebaut, weitere 27 Prozent vor 1990. Allein diese Zahlen zeigen ein großes Modernisierungspotenzial. Trotzdem scheint es mit den Sanierungen in den WEGs nur langsam voranzugehen.

Zeitungsausschnitt aus: Neue Presse Hannover, 3.12.2014

Viele, insbesondere ältere Wohnungseigentümer sind skeptisch oder leisten sogar Widerstand dagegen. Sie fürchten überhöhte, ausufernde Kosten und fehlende Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen, wenn die Amortisierungszeiten bei mehr als 10 Jahren liegen. Eine Verbesserung des Wohnkomforts sehen sie nicht oder wollen sie nicht. Nicht wenige haben auch Angst davor, dass sie die Sanierung nicht bezahlen können, dann ihre Wohnung verkaufen müssen und gar in die Altersarmut abrutschen.

Erfahrungswissen und die Empfehlung von Wohnen im Eigentum e.V.:
Muss oder will die Wohnungseigentümergemeinschaft sanieren, dann muss in der WEG mittel- und langfristig gedacht und geplant werden auf der Basis einer seriösen und transparenten Bestandsaufnahme. Für die Sanierung sind sowohl einfache, preiswerte Lösungen vorzustellen als auch moderne Varianten mit erhöhtem Wohnkomfort, die vielleicht teurer sind. Die Wohnungseigentümer/innen sind umfassend in allen Phasen über den gesamten Prozess zu informieren, wenn möglich auch schriftlich, und es sind Finanzierungswege zu entwickeln, die (fast) alle Miteigentümer mittragen können. Vielen Diskussionen ist Raum zu geben, damit der Willens- und Entscheidungsprozess bedarfs- und sachgerecht erfolgen kann, alle Miteigentümer diesen mittragen können und keine/r sich „überrumpelt“ fühlt.

Damit der Weg von der Idee bis zur Umsetzung mit positivem Ergebnis verläuft, ist auch ein gut aufgestellter, transparent arbeitender Verwaltungsbeirat oder Bauausschuss erforderlich. Dieser hat die Arbeitsschritte der Verwaltung zu begleiten, überprüfen und die Diskussionen unter den Wohnungseigentümern anzuregen.

Viele Informationen zur Instandsetzung und Modernisierungen von Wohnungseigentumsanlagen finden Sie auf der Website von Wohnen im Eigentum e.V., damit Sie nicht mehr zahlen als erforderlich und trotzdem der Wert Ihres Wohneigentums erhalten bleibt und Sie Ihre Interessen in der Eigentümerversammlung souverän vertreten können, auch wenn Sie kein Bauprofi sind.

Wollen Sie und Ihre WEG Baumaßnahmen oder gar eine energetische Sanierung angehen, müssen Sie neben dem Bauordnungsrecht, der Energieeinsparverordnung u.a. auch das Wohnungseigentumsrecht beachten. Im Wohnungseigentumsgesetz und der umfangreichen Rechtsprechung hierzu ist beispielsweise festgelegt,

  • ob einzelne Eigentümer oder die Gemeinschaft über eine Maßnahme im Sondereigentum oder Gemeinschaftseigentum entscheiden,
  • ob eine Baumaßnahme eine Instandsetzung, eine Modernisierung oder eine bauliche Veränderung ist,mit welchen Mehrheiten Wohnungseigentümer über eine Baumaßnahme entscheiden müssen,
  • wie Beschlüsse vorbereitet werden,
  • wie Kosten verteilt werden und 
  • was Sie über die Aufnahme eines WEG-Kredits wissen sollten.


Die Schritte bis zum Umsetzungsbeschluss werden erläutert. Außerdem erfahren Sie, wie Baumaßnahmen kontrolliert werden können oder müssen.

Werden die Bestimmungen nicht eingehalten, können Entscheidungen der Eigentümerversammlung nichtig sein oder angefochten werden. Geplante Maßnahmen verzögern sich dadurch möglicherweise, werden teurer, müssen unterbleiben oder gar rückgängig gemacht werden. Durch vorausschauende Planung und eine sorgfältige Umsetzung können Sie viel dafür tun, dass in Ihrer Anlage die Modernisierung und energetische Sanierung glückt.


Wohnen im Eigentum e.V. unterstützt seine Mitglieder nach Kräften dabei.

Quelle: Wohnen im Eigentum e.V. e-Rundbrief Juli 2016